Warum es sich lohnt, in vegane Kosmetik zu investieren

Der globale Markt für vegane Kosmetik wird im Jahr 2025 voraussichtlich ein Gesamtvolumen von geschätzten 20,8 Milliarden US-Dollar erreichen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Grand View Research. Demnach wird der Markt jährlich um 6,3 Prozent wachsen. Das liegt in erster Linie daran, dass sich immer mehr Verbraucher darüber bewusst werden, welche Auswirkungen ihr Kaufverhalten auf Ihre Gesundheit und die Umwelt hat. Gleichzeitig steigt die Sensibilität gegenüber dem Tierwohl. Die wichtigsten AbnehmerInnen von veganer Kosmetik sind laut der Studie die Millenials. Tendenz steigend. Immer mehr Hersteller reagieren auf diese Entwicklung und produzieren Kosmetika auf Basis mineralischer oder pflanzlicher Inhaltsstoffe. Beauty Independent hat mit zwei innovativen, veganen Kosmetik-Brands gesprochen.

 

TERRE DE MARS

Kaffee ist nach Tee das zweitbeliebteste Getränk der Welt. Er erweckt unsere Lebensgeister, duftet himmlisch und schmeckt gut, und viele Menschen können nicht auf ihn verzichten. Neben seinen anregenden Eigenschaften hat Koffein verschiedene Vorteile für unsere Haut. Das weiß auch Poulard Djamali und hat ein natürliches Peeling auf Kaffeebasis entwickelt – mit vollem Erfolg! Er beschließt, eine ganze Bandbreite an koffeinhaltigen Kosmetikprodukten auf den Markt zu bringen. So entsteht im Juli 2018 die französische Brand TERRE DE MARS. Alle Produkte sind vegan und frei von Tierversuchen.

 

Produktfläschen der veganen Brand Terre de Mars
Die vegane Hand- und Körpercreme von TERRE DE MARS fettet nicht und zieht schnell ein. Mit Koffein, Kamille und Sheabutter soll sie die Haut straffen courtesy of Terre de Mars

 

„Der Hauptvorteil von Kaffee ist die Wirkung gegen Orangenhaut und Cellulite“, erklärt uns Djamali. „In Kontakt mit der Haut aktiviert Koffein die Durchblutung und steigert die Fettverbrennung.“ Zusätzlich hat Koffein eine antioxidative Wirkung, die den Körper vor freien Radikalen schützt. „Auf das Gesicht aufgetragen, bewahrt Koffein die Elastizität der Haut und mindert Falten“, so Djamali.
Für die Herstellung verwendet er durch COSMOS und PETA zertifizierte Zutaten. „Unsere ‚Résilience Gesichtscreme‘ ist frei von Duftstoffen. Es sind Algen-Extrakte enthalten, die unsere Haut vor äußeren Einflüssen schützen“. Alle Produkte sind frei von tierischen Inhaltsstoffen und Zusätzen aus tierischen Stoffen. Bei der Kaffeesorte hat sich Djamali intensiv Gedanken gemacht: „Unser Kaffee wird aus der brasilianischen Arabica-Bohne gewonnen, denn diese hat einen besonders hohen Koffeingehalt und ist somit sehr effektiv.“

 

Vegane Kosmetik ist mehr als nur ein zukunftsweisender Trend

„Veganismus ist eine Lebensphilosophie und eine Einstellung, der sich immer mehr Menschen weltweit verschreiben“, so Djamali. Sie werden sich bewusst, dass sie ihre Lebensweise verändern müssen: denn nur so können zur Rettung unseres Planeten beitragen. „Wir glauben, dass der Markt für vegane Produkte in der Lebensmittel-, Hautpflege- und Kosmetikindustrie zunächst in den entwickelten Ländern und anschließend in den Schwellenländern rasant wachsen wird.“ Für Indie-Brands ist das ist eine fantastische Gelegenheit, sich mit diesem Alleinstellungsmerkmal von den großen Firmen zu differenzieren und den Kunden transparent ihre Markenphilosophie zu kommunizieren.
Wir haben Djamali gefragt, was er Markengründern mit auf den Weg geben würde. „Nehmen Sie sich Zeit, um Ihre Markenphilosophie zu entwickeln, stellen Sie ein Sortiment an qualitativ hochwertigen Produkten zusammen und arbeiten Sie mit zuverlässigen Partnern. Mit Konsistenz in allen Bereichen gewinnen Sie am besten das Vertrauen und die Loyalität Ihrer KundInnen, Influencer und Einzelhändler.“

LETHAL COSMETICS

Ende 2015 verfolgten Anna-Maria und Kai Jäger, die beiden Gründer von LETHAL COSMETICS, eine Mission: Sie wollten ihre eigene vegane und tierversuchsfreie Make-up-Produktreihe kreieren – und das nicht etwa aus marketingrelevanten Gründen, sondern aus tiefster Überzeugung heraus. „Als wir 2017 mit dem Verkauf starteten, waren wir absolut überwältigt von der enormen Resonanz und Nachfrage“, so Gründer Kai Jäger.

Die unabhängige, von PETA als vegan und tierversuchsfrei zertifizierte Brand aus Berlin verkauft vegane und tierversuchsfreie Lidschatten und flüssige Lippenstifte: „Bei beiden Produktkategorien setzen wir auf außergewöhnliche Farben, lange Haltbarkeit und hohe Pigmentierung“, erklären uns die Gründer. „Wir haben über ein Jahr an unseren Formulierungen gearbeitet, um diesen Ansprüchen gerecht werden und dabei konsequent auf tierische Inhaltsstoffe verzichten zu können.“

 

Vegane Lidschattenpalette
Die veganen Lidschatten von Lethal Cosmetics sind alles andere als langweilig. courtesy of Lethal Cosmetics

Die Produkte enthalten beispielsweise kein Karmin, ein rotes Pigment, welches aus toten Läusen gewonnen wird und auch kein Bienenwachs. „Wir verzichten außerdem auf Talk und Parabene“, so Jäger. „Schimmernde Pigmente kommen ausschließlich aus verantwortungsbewussten Quellen, bei denen keine Kinderarbeit zum Einsatz kommt.“

Nicht nur Personen, die einen veganen Lebensstil führen, sondern auch andere KundInnen verzichten zunehmend auf Kosmetik mit tierischen Inhaltsstoffen. „Diesen wachsenden Kundenkreis auszuschließen ist nicht nur aus ethischer, sondern auch aus unternehmerischer Sicht unsinnig, zumal tierische Inhaltsstoffe meist gut durch pflanzliche oder mineralische Alternativen ersetzt werden können“, so Kai Jäger.

 

Entwicklung des veganen Marktes

Er geht davon aus, dass sich der positive Trend weiter fortsetzen wird. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass inzwischen auch immer mehr große Brands vegane Produkte in ihr Sortiment aufnehmen. Das Attribut ‚vegan‘ wird so mit der Zeit seinen Titel als Alleinstellungsmerkmal einbüßen. „Marken, die ihre Marktpositionierung ausschließlich darauf aufbauen, werden sich dann womöglich eine neue Nische suchen müssen“, so Jäger.

Aus Sicht des Markengründers liegt die größte Stärke von Indie-Brands darin, dass sie nicht immer den Geschmack der breiten Masse treffen müssen und in der Auswahl und Ausgestaltung ihres Produktsortiments (kalkulierte) Risiken eingehen können. „In anderen Worten: Seid mutig und schafft etwas Einzigartiges, das in eurer Nische einen wirklichen Unterschied machen kann.“

 

 

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