Was Sie über den Trendinhaltsstoff CBD wissen müssen

Cannabidiol, kurz CBD, gilt seit geraumer Zeit als „The Next Big Thing“ in der Beauty-Branche. Öle, Kapseln und Tinkturen zum Einnehmen sowie Cremes, Shampoos und sogar Gleitgels sind mit dem natürlichen Wirkstoff aus der Hanfpflanze versehen. Die Liste der potentiellen positiven Eigenschaften ist lang, doch fehlen bislang wissenschaftliche Belege. Und auch die rechtliche Lage ist unklar. 

Der Markt für CBD-Produkte in den USA boomt. Ob als Nahrungsergänzungsmittel, in Pflegeprodukten oder in dekorativer Kosmetik – die Vermarktung des Inhaltsstoffs läuft quasi wie von selbst. Das könnte möglicherweise an der eher lockeren Beziehung zwischen Nordamerika und dem Konsum von Marihuana liegen: in elf Bundesstaaten ist das Rauchen, in 33 der Gebrauch für medizinische Behandlungen legal. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis CBD vom Medikament zum Beauty-Bestseller wurde. 

So brachte etwa das New Yorker Kosmetik- und Skincare-Label Milk Makeup 2018 erstmals eine Mascara angereichert mit CBD auf den Markt. Unter dem Kollektionstitel „Kush“ (eine Cannabis-Art) vertreibt die Brand mittlerweile auch Augenbrauengels und Lippenpflege. Die Produktpalette der unterschiedlichen Lifestyle-Marken ist mindestens genauso lang wie die versprochenen Effekte: Bodylotions, Gesichtsöle, Seren, Sprays, Parfums, Seifen, Salben, Duschpflege, Badesalz, Kaugummis und Drinks. Wer doch noch Fragen hat, kann die Website von Newcomer-Label Prima besuchen: neben einer minimalistischen und überaus chic designten CBD-Linie und einem eigenen Onlinemagazin, lancierte die Los Angeler Marke auch die Kategorie „Learn“ mit der sie unterhaltsame Aufklärungsarbeit leisten. 
Auch in den Medien ist das Thema längst enttabuisiert: Schauspielerin Melissa McCarthy rieb ihre Füße vor den Oscars angeblich mit CBD-Öl ein, um Schmerzen durch das Tragen der High-Heels zu verhindern. Kim Kardashian feierte anlässlich der Ankunft ihres vierten Kindes (per Leihmutter) eine CBD-Babyshower. Relaxed ist das neue busy.

In Deutschland ist die Thematik komplizierter. Bei den Drogerieriesen dm und Rossmann standen bis Anfang des Jahres noch Produkte mit CBD in den Regalen. Nach dem „High“ folgte jedoch der Downer: aufgrund der unklaren Rechtslage wurden die Artikel aus dem Sortiment genommen. Dann waren die Öle, Kaugummis und Kapseln bei dm wieder erhältlich. Man sieht: der Sachverhalt ist unübersichtlich. Um etwas Klarheit zu schaffen, finden Sie die wichtigsten Punkte zum Thema im Folgenden. 

Was ist CBD?

Cannabidiol ist eines von rund 113 Cannbinoiden und genau betrachtet eine chemische Verbindung. Aus der cannabis stavia Pflanze extrahiert wird das sogenannte CBDa, das anschließend durch die Phase der Decarboxylierung (Erhitzung) läuft und zum Schluss zu CBD wird. CBD ist im Gegensatz zu THC nicht psychoaktiv, was bedeutet, dass es weder süchtig macht noch eine berauschenden Effekt, wie zum Beispiel beim Rauchen von Marihuana auslösen kann. Dies bestätigte auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem Report. In Deutschland sind nach Regelung CBD-Produkte dann frei verkäuflich, wenn sie nur maximal 0,2 mg THC erhalten. Grundsätzlich sind die Präparate also legal und unbedenklich –  und damit ein gefundenes Fressen für die Lebensmittelindustrie. Recherchen von Report Mainz zufolge haben in den vergangenen zwei Jahren Hersteller alleine in Deutschland rund 100 Nahrungsergänzungsmittel mit CBD auf den Markt gebracht. 

Wie wirkt CBD?

Der Inhaltsstoff kann auf verschiedene Weisen genutzt werden. Weit verbreitet sind CBD-Öle, die man entweder als Tropfen oral zu sich nehmen oder als Kosmetik für Gesicht und Körper anwenden kann. Bei ersterem gelangen sie direkt oder nach kürzester Zeit ins Blut und wirken demnach schneller. Laut Aussagen von Konsumenten und Befürwortern ist CBD unter anderem schmerzlindernd, schlafverbessernd, entspannend und entzündungshemmend. Letzteres macht es gerade für die Beauty-Industrie interessant: trockene Haut, Schuppenflechte, Ekzeme, Akne und Zeichen von Hautalterung sollen damit bekämpft werden.  

Man unterscheidet im Übrigen zwischen CBD-Isolat und Vollspektrum-CBD: Bei ersterem handelt es sich um reines CBD, während Vollspektrum-Produkte eine Zusammensetzung mehrerer Cannabinoide der Cannabispflanze beinhalten. In diesem Fall spricht man auch vom „Entourage Effekt“. A propos Effekt: Wissenschaftler warnen vor den Versprechen des vermeintlichen Wundermittels, denn es gibt weder qualitative Studien, noch wissenschaftliche Belege.  

USA vs. Deutschland: Wie ist die Lage in der Bundesrepublik? 

Die Farm Bill 2018 legalisierte den industriellen Hanfanbau in den USA. Somit gilt die Pflanze als landwirtschaftliches Gut. Produkte mit maximal 0,3 Prozent THC können theoretisch legal verkauft und erworben werden. Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) kündete aber dieses Jahr an, sich der Thematik annehmen zu wollen, um die Richtlinien genauer zu definieren. Es gibt jedoch eine Lücke und damit einen Grund, warum es gerade so viele Beauty-Produkte in die Hände von US-Konsumenten schaffen: Unter dem Federal Food, Drug & Cosmetic Act (FD&C) benötigen kosmetische Artikel und Inhaltsstoffe keine Genehmigung vor der Markteinführung. 

In Deutschland müssen alle Schönheitsartikel einen festgeschriebenen Mindeststandard erfüllen, bevor sie in die Läden kommen. Birgit Huber ist stellvertretende Geschäftsführerin der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) und Expertin auf diesem Gebiet. Sie ergänzt: „Grundsätzlich sind kosmetische Produkte mit Cannabidiol (CBD) in Deutschland möglich. Zur Einstufung als kosmetisches Mittel muss ein CBD-haltiges Produkt eine überwiegend kosmetische Zweckbestimmung haben – therapeutische Wirkungendürfen nicht ausgelobt werden“, erklärt sie. Zudem unterliegen auch kosmetische Produkte gesetzlichen Richtlinien: „Alle müssen die Anforderungen des Kosmetikrechts erfüllen, die Herkunft beziehungsweise die Gewinnung des CBD muss in Übereinstimmung mit dem Einheitsabkommen über Betäubungsmittel erfolgen und der Gehalt an kritischen Substanzen, wie zum Beispiel THC, muss überwacht und minimiert werden.“

Des Weiteren müssen laut des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) für CBD-haltige Erzeugnisse in erster Linie ein Prüfungsantrag gestellt werden. Entweder als Arzneimittel oder – wenn sie weiterhin als Nahrungsergänzungsmittel gelten sollen – auf Zulassung eines in der EU neuartigen Lebensmittels (Novel Food). Aber „da eine Zulassung von CBD als neuartiges Lebensmittel bisher nicht erfolgt ist, sind derartige Erzeugnisse bislang nicht verkehrsfähig“ heißt es von Seiten des BVL im März 2019. Eben diese Grauzone führt zur Verwirrung seitens der Konsumenten und Händler. Und dazu, dass – wenn überhaupt – CBD-Öle, -Cremes und Co. erst langsam in den deutschen Markt eindringen.