Welche Finanzierung für mein Beauty Start-up? Ob klassischer Bankkredit, Business Angel, Crowdfunding, öffentliche Fördermittel oder Inkubatoren – Möglichkeiten gibt es viele

Welche Finanzierung eignet sich am besten für das eigene Beauty Start-up?

Wer sein Indie Beauty Business startet, sollte solides Eigenkapital bzw. genügend Ersparnisse mitbringen, um die erste Zeit der roten Zahlen zu überstehen. Selten können Gründer die nötigen Investitionen vollständig aus eigener Tasche bezahlen. Kann auch die Familie nicht mit Geld unterstützen, steht der klassische Weg zur Bank an, um einen Kredit aufzunehmen. Seit der Finanzkrise und neuen regulatorischen Anforderungen sind die Ratingsysteme der Banken komplexer geworden. Nicht jeder Gründer erhält die Finanzierung, die er benötigt oder nicht in der gewünschten Höhe. Kreditwürdigkeit hängt in erster Linie von vertrauenswürdigen Unterlagen, guten Sicherheiten und einem professionellen Auftreten ab. Meist führt der erste Weg zur Hausbank, doch sie muss nicht die beste Adresse sein, wenn es darum geht, günstige Konditionen zu erhalten.

Die globale Digitalisierung hat auch das Geschäft der Banken verändert und neue Wettbewerber geschaffen. Dazu zählen reine Onlinebanken ohne Filialen, aber auch Kreditplattformen, bei denen sich Privatpersonen oder Unternehmen und Privatpersonen einander Geld leihen. Klassische Banken sind bei diesem Peer Lending oder Social Lending nicht mehr involviert. In Deutschland hat sich auxmoney als Kreditmarktplatz für das Peer-to-Peer-Lending etabliert.

 

Förderprogramme in Deutschland und der EU

Für Gründer sind deutsche und europäische Förderprogramme interessant. Auch wenn Sie zunächst umfangreiche Formulare ausfüllen müssen, sind Ihre Erfolgschancen nicht schlecht. Die EU unterstützt mit ihrem Förderprogramm EIC Accelerator innovative Projekte mit hohem Wachstumspotenzial und internationalen Marktaussichten. Dabei geht es weniger um die Förderung der Gründung, sondern den nächsten logischen Schritt, nämlich das Produkt auf dem internationalen Markt einzuführen. Über Ihre Hausbank und die Förderbank KfW können Sie den ERP-Gründerkredit (StartGeld) beantragen. Dabei ist die Beschränkung zu beachten, dass Sie den Antrag stellen müssen, bevor Sie Ihre Geschäftstätigkeit aufnehmen.

Wer bei der Gründung seines Unternehmens zunächst nur einen geringen Finanzbedarf hat, kann auf den Mikrokreditfonds Deutschland zurückgreifen. Sie können dort kleine Kredit beantragen: Die Obergrenze für deren Summe beträgt 25.000 Euro und die maximale Laufzeit vier Jahre. Die Förderdatenbank des Bundes ermöglicht Ihnen online bequem einen aktuellen Überblick über die nationalen und europäischen Förderprogramme mit Zuschüssen, Darlehen oder Bürgschaften. Ob Sie sich für ein Förderprogramm bewerben, Ihr erster Weg zur Bank, einer Crowdinvesting-Plattform oder einem Business Angel führt, der professionelle Businessplan ist essenziell. Dieser sollte Ihre innovative und einzigartige Geschäftsidee leicht verständlich erklären, den Wettbewerbsvorteil erläutern und Ihre Kompetenz als Gründer verdeutlichen.

 

Venture Capital oder Crowdinvesting?

Statt eines Kredits bietet sich für junge Unternehmen auch die Finanzspritze durch Venture Capital an, also Wagniskapital. Nicht jedes Start-up bekommt Risikokapital. Die erfahrenen Investoren prüfen zunächst kritisch die Geschäftsidee, bevor Sie eine Finanzhilfe für die Gründung geben.
Beim Crowdfunding präsentieren Gründer auf Plattformen wie Kickstarter oder Startnext ihre Projekte und Produkte der breiten Öffentlichkeit. Privatpersonen beteiligen sich mit einer Finanzspritze und bekommen dafür zum Beispiel eine immaterielle Leistung oder Produkte. Beim Crowdinvesting werden die Kapitalgeber als Schwarmfinanzierung zu Miteigentümern. Dazu gehören Plattformen wie Seedmatch, Companisto oder Innovestment. Gegenüber den Venture-Capital-Finanzierungen sind auch kleinere Investitionsbeträge möglich.

 

Mit dem Business Angel an der Seite ein Unternehmen gründen

Statt sich auf die breite und anonyme Masse beim Crowdinvesting zu verlassen, setzen manche Gründer auf einen Business Angel. Dabei handelt es sich um einen erfahrenen Geschäftsmann oder Geschäftsfrau oder eine Privatperson mit entsprechendem Vermögen. Derjenige investiert Geld in den Aufbau des Jungunternehmens und bringt zusätzlich seine Expertise und Kontakte ein.
Das Engagement mit Wagniskapital ist dabei nicht uneigennützig: Der Business Angel beteiligt sich offen oder still am Start-up und hofft mittelfristig auf einen Gewinn. Beteiligt er sich nicht, sondern stellt sein Kapital zur Verfügung, fordert er dafür eine angemessene Verzinsung. Der Zinssatz kann über dem Bankenzins liegen. Eine weitere Variante bewegt sich zwischen beiden Optionen. Das sogenannte Wandeldarlehen startet als Kredit: Zu einem späteren Zeitpunkt kann der Business Angel das Darlehen in Anteile am Unternehmen umwandeln.

 

Der Business Angel bringt Geld, Zeit und Know-how mit

Im Regelfall wählt der „Unternehmensengel“ eine Branche, in der er sich gut auskennt. Das hat für ihn den Vorteil, dass er das Geschäftskonzept besser beurteilen kann. Dabei schätzt er ein, ob das Alleinstellungsmerkmal und die Wettbewerbsvorteile für einen nachhaltigen Erfolg am Markt ausreichen und das Gründerteam persönlich und fachlich geeignet ist. Gleichzeitig kann er seine Kompetenz und sein Netzwerk in der ihm bekannten Branche zielführend einsetzen.
Wer auf der Suche nach einem Business Angel ist, kann über eines von 40 Netzwerken in Deutschland den Kontakt aufnehmen oder an einer Matchingveranstaltung teilnehmen. Über das Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND) suchen junge Unternehmen gezielt nach einem Unterstützer in ihrem Bundesland. Mit einem präzise formulierten „Onepager“ kann sich das Start-up an den Dachverband wenden. Hält BAND den Antrag für plausibel, vollständig und passend für die Investition durch einen Business Angel, leitet sie das Dokument an die Netzwerkmitglieder weiter.

 

Inkubatoren und Akzeleratoren – Großunternehmen können Start-up

Sich für das Mentoringprogramm eines Unternehmens zu bewerben und bei deren Wettbewerb zu pitchen, kann ein wichtiger Baustein für die Gründung und Finanzierung junger Unternehmen werden. Große Unternehmen sind mit vielen Hierarchieebenen und verschlungenen Entscheidungswegen oft der Gegenentwurf zu einem wendigen Start-up. Einige Konzerne fördern daher gezielt junge Unternehmen und neue Trends. Durch Inkubatoren, Akzeleratoren oder Wettbewerbe begleiten und unterstützen sie Start-ups für eine bestimmte Zeit. L’Oréal gehört zu den Kosmetikkonzernen, die Beauty Start-ups aufkaufen, sie über den globalen Venture Capital (VC) Fund „Bold“ finanzieren und mit Mentoringprogrammen fördern. Dabei hat sich L’Oréal zum Ziel gesetzt, weltweit zur ersten “Beauty Tech Company” zu werden. Über den VC Fund Bold investierte L’Oréal Ende Juni 2019 in das Biotech-Start-up Carbios. Dieses entwickelt eine Technik, um mithilfe von Enzymen PET-Kunststoffe zu recyceln. Da Kunststoffe ein wichtiges Verpackungsmaterial für Kosmetik darstellen, ein relevantes Thema.

Seit 2019 verleiht L’Oreal den «Intrapreneurship Award» an junge Studienabsolventen, die damit am Mentoringprogramm von L’Oréal teilnehmen können, um ihre Geschäftsidee zu entwickeln. In der Station F, dem Pariser Campus für Start-ups, können sie ihr Produkt weiter professionalisieren und erste Prototypen herstellen.
Auch Douglas veranstaltet seit 2018 jährlich die #FORWARDBEAUTYChallenge, um innovative und vielversprechende Beauty-Start-ups in Deutschland zu entdecken und zu fördern.

Wie Sie gesehen haben, gibt es zahlreiche Finanzquellen für Gründer und junge Unternehmen. Schauen Sie sich um, welche Variante für Sie und Ihr Unternehmen am besten passt. Der Austausch mit anderen Gründern und Mentoren bei Netzwerkveranstaltungen wie „Founders Night Out“, „Speed Monitoring“ oder „How to start a global Start-up“ kann ebenfalls hilfreich sein.