Wie das dänische Power-Paar hinter Zenz Organics die Friseurwelt revolutioniert

Allergien gibt es viele. Manchmal sind sie nur lästig, manchmal können die Beschwerden jedoch so einschränkend sein, dass sich der Alltag kaum bewältigen lässt. Genauso erging es der Dänin und Friseurin Anne-Sophie Skjødt Villumsen: ihre allergischen Reaktionen auf chemisch hergestellte Haarprodukte waren so intensiv, dass sie fast ihre Karriere zerstörten. Doch anstatt aufzugeben und ihren Beruf an den Nagel zu hängen, entschied sich die Selfmade-Unternehmerin für die Flucht nach vorne: Sie verbannte jegliche gesundheitsschädigenden Inhaltsstoffe, mixte sich ihre Produktpalette selbst und sanierte ihren Salon auf nachhaltige Standards und eröffnete 1999 das ersten umweltfreundliche Friseurgeschäft in ganz Dänemark. Gemeinsam mit ihrem Ehemann und Geschäftspartner, Jørgen Skjødt, leitet die Pionierin seitdem zehn eigene Salons. 2010 beide die preisgekrönte, anti-allergene Haarproduktlinie Zenz Organic Product, die mittlerweile in 18 Ländern und 850 Salons vertrieben wird. Heute ist das Label – dessen Sortiment um Hautpflege und Make-Up erweitert wurde – ein kleines Imperium. Beauty Independent sprach mit beiden Visionären über die Gefahren, die in traditionellen Friseursalons für Mitarbeiter sowie Kunden lauern und darüber, warum sie wohl niemals aufhören werden an ihrem nachhaltigen Gesamtkunstwerk zu feilen.

Was genau lief in dänischen Friseursalons falsch?

Villumsen: Die Arbeitsbedingungen waren nicht gut. In Dänemark arbeiten Friseure im Schnitt nur acht Jahre in ihrem Beruf, weil sie  allergisch auf die Haarprodukte reagieren. Und diese zwingt sie ihren Job aufzugeben. Es gibt eine Studie, welche die Gesundheit von Friseuren untersuchte: Während die meisten vor der Ausbildung gesünder als der Durchschnitts-Däne waren, lagen die Testpersonen im zweiten Ausbildungsjahr darunter. Das musste sich ändern. Wir wollen dafür sorgen, dass Friseure möglichst lange in ihrem Job arbeiten können.

Skjødt: Circa 25 Prozent der Bevölkerung leidet unter Allergien. Bei etwa 11 Prozent sind es Kontaktallergie und bei 4 bis 5 Prozent ist es eine Parfumallergie. Diese Zahl steigt gerade stetig an und zeigt sich gerade bei Mädchen im Alter von vier bis 12 Jahren immer häufiger. Das ist ein riesiges Problem. 

Ihre Produkte, die ausschließlich auf natürliche Inhaltsstoffe basieren – von kaltgepresstem Avocado-Öl bis hin zu organischem Aloe-Vera-Extrakt – sind der perfekte Gegenpart und gerade für sensible Hauttypen, Kinder und Schwangere geeignet. Wie schnell kann eine Allergie gefährlich werden? 

Skjødt: Manche Reaktionen werden schon bei der ersten Benutzung eines Produkts sichtbar und bei anderen bemerkt man eine Reizung erst nach Monaten. Gerade bei Friseuren ist das Problem auch, dass sie den ganzen Tag mit ihren Händen im Wasser sind. Wenn die Haut dann mit den aggressiven Chemikalien in Berührung kommt, absorbiert sie die Haut noch schneller. Das liegt vor allem an den vielen Parabenen und Konservierungsmitteln in den Produkten.

Wie sah ihre Vision damals aus?

Villumsen: Als ich unseren ersten umweltfreundlichen, nachhaltigen Salon 1999 eröffnete, war das gesamte System neu. Etwas Vergleichbares gab es nicht. Ich versuchte, andere umweltfreundlich Marken zu finden, fand aber keine ohne die üblichen Chemikalien. Ich wollte einen Salon eröffnen, der anders ist und bei dem die Mitarbeiter keinen Gefahren ausgesetzt sind. Einer, wo keine allergieauslösenden Inhaltsstoffe genutzt werden, keine die den Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen und sogar Krebs auslösen. Um eine Lösung zu finden haben wir damals intensiv mit Krankenhäusern und Wissenschaftlern zusammengearbeitet. Danach definierte ich die Inhaltsstoffe der Produkte, die ich damals noch selbst mixte. Auch heute ist das noch unser wichtigster Anspruch. Gemeinsam mit der Kopenhagener Stadtverwaltung haben wir sogar ein eigenes Siegel entwickelt, dass  das einzige für nachhaltig und umweltbewusst agierende Salons ist.  Wichtig ist hierbei: der Einsatz von ausschließlich ungefährlichen Produkte und den ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten. Alle Verpackungen sind weitestgehend recyclebar, wir arbeiten mit reduziertem Wasserverbrauch, verwenden übriggebliebene Haarfarbe, drucken unsere Broschüren auf Recyclingpapier, der Müll wird penibel genau getrennt und entsorgt und alle Blumen in unseren Salons kommen von den Feldern aus der Region. Das ist nur ein Teil…

Wird denn auch unter Friseuren „Greenwashing“ betrieben?

Villumsen: Ja, leider, denn viele, die sich heute als „grün“ bezeichnen, verwenden immer noch gesundheitsschädliche, mit Allergenen belastete Färbemittel. Hier auf „grüne” Inhaltsstoffe umzusteigen ist auch die größte Herausforderung. Aber genau deswegen sind Siegel,  wie das von uns entwickelte, auch so wichtig: Es ist eine Garantie dafür, dass unsere Kunden uns wirklich vertrauen können, denn unsere Salons kommen sogar ganz ohne gesundheitsgefährdende Haarfärbemittel aus.

Skjødt: Man könnte ja sonst alles Mögliche behaupten. Unsere Branche ist voll mit „Grünmalerei“. Als wir 2010 unsere eigene Marke gründeten, ließen wir unsere Produkte extern prüfen, um die Unterschiede zu traditionellen Salons aufzuzeigen. Und haben uns ganz bewusst dafür entschieden alle Linien von etwa Nordic Swan Ecolabel, Ecocert Cosmos, AllergyCertified, Green Salon und der Vegan International Organization zertifizieren zu lassen. 

Anne-Sophie Skjoedt Villumsen und Joergen Skjoedt von Zenz Organic Products haben sich 2007 kennengelernt.
Perfektes Doppel hinter Zenz Organic: Anne-Sophie Skjoedt Villumsen und Joergen Skjoedt  lernten sich 2007 kennen.

Als Sie Ihre eigne Brand gründeten, was war damals das wichtigste?

Villumsen: Wir wollten die erste erste Haarpflege entwickeln, die luxuriös, aber gleichzeitig nachhaltig ist und die Welt zu einem besseren Ort macht. Natürlich stehen bei uns die Inhaltsstoffe im Fokus. Diese suchen wir sorgfältig und nach höchster Qualität aus. Zudem sollen die Friseure auch gerne mit den Produkten arbeiten. Momentan sind es schließlich 850 Salons.

Chemische Produkte sind nicht nur ein Risiko für die eigene Gesundheit, sondern auch für die Umwelt…

Villumsen: Auf jeden Fall! Gerade Plastik oder Silikone sind besonders schädlich. Stattdessen sollte man sich für natürliche Stoffe entscheiden, die keine Allergien auslösen. Aber auch hier muss man vorsichtig sein, denn auch auf pflanzliche Inhaltsstoffe kann man allergisch reagieren. 

 

„Die Salons sind eine Premium-Marke in Dänemark, sehr high-end. Zenz ist schon seit 2000 Pionier, was nachhaltiges Leben und Gesundheit betrifft. Ein Thema, dass gerade in Dänemark besonders wichtig ist”, so Jørgen Skjødt.

 

„Das Schlimme ist: in Dänemark arbeiten Friseure im Schnitt nur acht Jahre in ihrem Beruf, weil sie Opfer einer Allergie werden und diese zwingt sie ihren Job aufzugeben. Wir wollen, dass sie in ihrem Job weiterarbeiten können.“

Gerade diese Art der Nachhaltigkeit bedeutet meist zusätzliche Kosten, die Sie 2010 sicherlich mit eingerechnet haben. Wie hoch war das anfängliche Investment? 

Skjødt: Wir haben anfänglich circa 400.000 Euro in die Marke gesteckt und von diesem Geld die ersten Produkte entwickelt und lanciert.  

Gelohnt hat sich dieses in jedem Fall: In Dänemark leiten Sie heute acht eigene Salons in Kopenhagen, hinzu kommen drei weitere Franchise-Partner. Wie entscheiden Sie, was auf den Markt kommt und was nicht?

Villumsen: Mit der Haarpflege starteten wir 2010 und lancierten kurz darauf die Make-Up-Linie. 2014/2015 kamen Gesichtscreme und Sonnenschutzmittel hinzu. Von Anfang an wollten wir eine Produktpalette anbieten, die die Bedürfnisse von Friseuren und Kunden deckt. Es ging niemals darum ein neues Produkt zu lancieren, einfach nur um etwas neues auf den Markt zu bringen. Es hat alles einen Sinn und Zweck. Wir brauchten die Haarpflege- und Make-up-Sparten, um unsere Salons zu betreiben – gerade nach letzterem war immer gefragter. 

Der Erfindergeist scheint Ihnen beiden nicht auszugehen – was ist Ihre neueste Idee?

Skjødt: Neu in unseren Salons ist etwa das HairSpa, ein „thermischen Hut” der Färbeprozesse und Haarbehandlungen durch Erhitzen verschnellert und intensiviert. Das geschieht ganz ohne zusätzliche Energie und Strom, denn zum Erhitzen reicht die eigene Körperwärme. Die Behandlungen sind so deutlich wirkungsvoller.

Alle Ihre Produkte tragen Nummern und Namen. Welche ist die geheime Nummer 1?

Villumsen: Tatsächlich auch die Nummer 1, aber auch 2. Beide Linien sind für Menschen mit besonders empfindlicher Haut geeignet, wie zum Beispiel Kinder. Diese beiden Linien, sinden Produkte für die ganze Familie. Nummer 7 und 8 sind auch beliebt und für Problem-Kopfhaut oder gegen Haarausfall besonders geeignet. Wir nennen sie „Anti-Stress-Produkte“, weil viele Menschen, die gestresst sind, an Haarausfall leiden. Aber auch das Puder Nummer 89 ist ein Evergreen: man kann es auch Trockenshampoo verwenden, obwohl es eigentlich ein Volumenpuder ist. Bei fettigem Haar entfernt es auch einen Teil des Fetts.

Seit der Einführung des Zenz-Sortiments 2010 ist die Kollektion auf über 40 verschiedene Produkte für Haarpflege, Hautpflege, Farbkosmetik und kosmetische Hilfsmittel gestiegen.
Über 60  Produkte – von Haar- bis Hautpflege und Make-Up – umfasst das Zenz-Organics–Sortiment heute.

In Trockenshampoo steckt oftmals viel Chemie und trotzdem ist es gerade in aller Munde: was halten Sie davon?

Villumsen: Genaus deswegen nicht besonders viel. Vor allem: Wenn man sein Haar nicht wäscht, leidet auch die Kopfhaut. Man sollte diese mindestens jeden zweiten oder dritten Tag reinigen. Was sich hier an Dreck ablagert ist genau dasselbe, was in unserem Gesicht hängen bleibt. Und das waschen wir jeden Abend.

Haben Sie auch ein Lieblingsprodukt?

Villumsen: Ich kann mir ein Leben ohne Deep Wood Oil nicht vorstellen. Ich verwende es als Make-up-Entferner, als Serum oder am ganzen Körper. Wenn ich reise, habe ich immer ein kleines Fläschchen im Gepäck. Es ist mein absoluter Favorit.

Skjødt: Meines ist Nummer 1 für die Haar- und Körperwäsche. Dann Nummer 6 und Nummer 89 für das Haar-Styling. Ich liebe das Öl Nummer 97 für die Rasur. Man kann die Öle übrigens für Haare, Körper oder eben für die Rasur verwende und sie teilweise sogar mit dem Make-up kombinieren.

Villumsen: Genau! Einfach das Mineralpuder mit dem Öl mischen und schon hat man eine flüssige Foundation ohne Konservierungsstoffe.

Skjødt: Anne-Sophie hat zusammen mit unserem Entwicklungspartner die Produktlinie so entwickelt, dass man alles kombinieren kann. 

Ihre Vision geht jedoch noch weiter hinaus, denn sie unterstützen auch soziale Projekte. Inwiefern?

Skjødt: Wir sammeln etwa Geld für ein Projekt, dass jungen Mädchen dabei hilft, von der Straße zu kommen. Wir versuchen sie zu unterstützen und ermutigen von der Prostitution wegzukommen und eine Lehre als Friseurin zu beginnen. Wir bemühen uns stets, besser als gestern zu sein.

Wie sieht der nächste Schritt aus?

Bald lancieren wir ein neues Produkt, nämlich ein Kaktus-Shampoo. Und 2020 wird sowieso ein großes Jahr: dann kommt Zenz 2.0. Für uns ist das ein weitere Schritt, um unserer Mission und Vision ein Stückchen näher zu rücken.