Wie Indie-Brands mit den Algorithmus-Änderungen auf Instagram umgehen

In dieser Ausgabe der fortlaufenden Serie von Beauty Independent, in der wir Interviews mit Unternehmern in der Beauty-Branche führen, haben wir elf Markengründer und Führungskräfte gefragt, ob sie die Algorithmus-Änderungen bei Instagram spüren und wie sie ihren Ansatz für die Plattform entsprechend ändern oder geändert haben.

ANNIE TEVELIN Gründerin von SkinOwl

Wir sind vom IG-Algorithmus absolut betroffen. Früher haben wir nur einmal am Tag gepostet. Jetzt zwingt uns Instagram quasi zur Veröffentlichung, deswegen posten wir jetzt so viele authentische Inhalte wie möglich. Ich wollte nicht den Fehler machen, einfach irgendwas zu posten. Der Algorithmus veranlasst mich eher dazu, die Botschaft, die wir unseren Fans und Followern täglich übermitteln, genau zu überdenken. 

Wir posten auch Beiträge, um Menschen zu erreichen, die unsere Marke nicht kennen. Kurz gesagt, wenn die Anzahl der Personen, die unsere Beiträge lesen, begrenzt ist, möchte ich für ansprechende Inhalte sorgen, und die Menschen, die sie lesen, sollen ein gutes Gefühl dabei haben.

SIMA MOSTAFAVFI Gründerin und CEO von Pistache Skincare

Oh ja, allerdings! Irgendwann Mitte des Frühjahrs bemerkten wir eine Veränderung bei Instagram und dachten, das sei ein Einzelfall. Doch weitere Nachforschungen ergaben, dass auch andere Marken von diesem Problem betroffen waren. Instagram wird zu einer Pay-to-Play-Plattform, genauso wie Facebook. Und obwohl wir ein bestimmtes Budget für bezahltes Marketing bereitstellen, können wir dort nicht alle unsere Ressourcen einsetzen. 

Wir mussten uns weiterentwickeln und unseren interaktiven Auftritt aus eigener Kraft verstärken. Eine Sache ist definitiv die Optimierung unserer Inhalte. Wir nutzen die Analysefunktion, um zu sehen, welche Fotos am besten funktionieren und erstellen neue Beiträge zu Inhalten, auf die unser Publikum bereits reagiert hat.

JAMES H. LA Gründer von Niucoco

Ich denke, dass die Änderungen bei Instagram sowohl Marken als auch Influencer betreffen. Letztendlich geht es darum, das Aktionsfeld zu verbessern. Marken werden gezwungen, Kunden besser anzusprechen, sei es mit relevanten Inhalten oder einfach nur durch die Einbeziehung der Zielgruppe. 

Inzwischen gilt auch für Influencer ein höherer Standard (nur Likes und Follower reichen nicht mehr), dass heißt sie müssen überzeugende und relevante Statistiken liefern, um Marken für sich zu gewinnen. Dieser Artikel zeigt deutlich, warum es erforderlich war beziehungsweise ist, die Algorithmen zu ändern.

AMANDA MCINTOSH Gründerin von Take My Face Off

Ja, wir sehen einen Unterschied, doch wir haben bereits einen neuen Ansatz getestet, der uns scheinbar eine gewisse Immunität gegen den Wandel verleiht. Wir haben schon seit einiger Zeit festgestellt, dass die typischen schicken, professionellen Fotos wohl nicht mehr ausreichen. 

Für uns sind Beiträge, in denen etwas passiert, die erfolgreichsten. Auch wenn Instagram Videos und GIFs genauso behandelt wie normale Bilder, schauen die Leute einfach länger hin, weil sie einfach interessanter und ansprechender sind. Sie haben die Nase voll von gestellten Videoproduktionen. Lässige und interessante Videos, die nicht perfekt sind, funktionieren bei uns als Beiträge am besten. Es tut mir leid, wenn andere Unternehmen einen Rückgang verzeichnen, doch wir erreichen derzeit mehr Menschen denn je, ohne dafür etwas zu bezahlen.

SÉBASTIEN TARDIF CEO und Mitbegründer von Veil Cosmetics

Ja, wir sind von Algorithmusänderungen bei Instagram betroffen. Ich bemerkte die Veränderung sofort. Gemerkt haben wir das an der Anzahl der Likes und Interaktionen, die allmählich zurückgingen. 

Ehrlich gesagt, ich war nicht wirklich überrascht, da wir das Gleiche bereits bei Facebook erlebt hatten. Und da wir wussten, dass sie IG übernommen hatten, war es nur eine Frage der Zeit, bis sie dieses Monetarisierungsmodell auch hier umsetzen würden. Es ist wirklich bedauerlich, wenn man feststellt, dass etablierte Unternehmen mit großem Kapital im Rücken immer die Oberhand behalten werden, weil sie einfach mehr Geld einbringen können. Und genau dafür ist die Plattform ja jetzt konzipiert. Ihr Inhalt wird immer mehr Aufmerksamkeit erhalten, da Indie-Marken immer mehr verstummen und in die Enge getrieben werden.

Wir werden nicht unser gutes Geld zum Fenster rauswerfen und in die Plattform investieren, um so ihre bereits vollen Kassen noch weiter zu füttern. Das Geld wird dort investiert, wo unsere Produkte verfügbar sind und online verkauft werden. Wo man dabei unterstützt wird, mehr Kunden generieren und mit diesen aktiven/potenziellen Kunden in Kontakt treten und bleiben zu können. Instagram ist eher zu einer Art Fenster oder Portfolio für die Marke geworden und steht all denjenigen zur Verfügung, die unsere Marke und unseren Stil kennenlernen möchten.

LOUIS MARTY Mitgründer von Merci Handy

Aus Gründen der Transparenz wächst unsere Einsatzquote bei Instagram jeden Monat. Selbstverständlich haben wir unsere Strategie aufgrund der Entwicklung von Merci Handy und des Algorithmus angepasst. Wir arbeiten jeden Tag sehr hart daran, nicht nur Inhalte zu erstellen, sondern Inhalte, die begeistern. 

Nach vier Jahren Selbstständigkeit und vielen Stunden auf Instagram ist meine Erkenntnis ganz einfach: Instagram ist fair. Wenn Sie kreativ sind und ausdrucksstarke Inhalte erstellen können und es so schaffen, eine Community an sich zu binden, die Ihre Interessen und Werte teilen, dann ist das ein Zeichen von äußerster Effizienz.

NINA ZILKA CEO und Mitbegründerin, Alder New York

Wir sind von Algorithmusänderungen bei Instagram betroffen. Im Allgemeinen geben wir jetzt mehr von unserem Werbebudget für Instagram aus, weil eben klar ist, dass sie gesponserten Inhalten Priorität einräumen.

Wir machen jetzt auch mehr Videos, da Videoinhalte vorrangig behandelt werden. Und wir arbeiten weiterhin persönlich mit unseren kleinen Läden zusammen, weil sie immer starke und echte Beziehungen zu ihren Kunden haben.

CATHY CHAPMAN Präsidentin von Lunette

Die gesponserten Inhalte haben in letzter Zeit anscheinend eine viel stärkere Präsenz auf der Plattform. Wir mussten unseren Auftritt durch bezahlte Partnerschaften intensivieren und unsere Werbestrategien überdenken, um die Sichtbarkeit in dem Bereich Menstruationspflege aufrechtzuerhalten.

Es gibt immer wieder neue Trends, und gerade dann, wenn man denkt, jetzt hat man das Marketing endlich im Griff, kommt schon wieder ein neuer Trend auf. Als Marktführer in dieser Kategorie müssen wir unsere Marketingstrategie ganz klar ständig weiterentwickeln, damit wir mit den sich immer verändernden Gegebenheiten bei Instagram Schritt halten können. Wir verlassen uns dabei ganz auf unser internes Social Media Marketing-Team, das darauf achtet, in Sachen Algorithmusänderungen und Trends auf dem Laufenden zu bleiben.

VALERIE OBAZE Gründerin und CEO, R&R Luxury

Wie die meisten unabhängigen Marken haben auch wir die Algorithmusänderungen bei Instagram negativ zu spüren bekommen. Einige unserer Beiträge werden gerade mal 1.000 Menschen angezeigt, obwohl wir 22.000 Follower haben. Als wir die Änderungen zum ersten Mal bemerkten, haben wir sofort damit begonnen, ansprechendere Inhalte wie Videos zu erstellen. Zudem haben wir eine ganze Anzahl optimierter Beiträge gepostet, um so die Besucherzahlen zu erhöhen. 

Wir veröffentlichen in der Regel etwa sechsmal pro Woche Beiträge von uns. Und gemeinsam mit dem Marketing-Team habe ich die Entscheidung getroffen, dass wir weiterhin posten, auch wenn die Inhalte vielleicht nicht sichtbar sind. Die Idee dahinter ist einfach: Durch unsere Marketing-Kommunikation fernab der sozialen Medien bringen wir unsere Kunden dazu, unsere Instagram-Seite zu besuchen, die als Drehscheibe für Informationen dient. Sie umfasst Tipps zur Schönheitspflege, kurze Informationen zu unseren Produkten und ihren Vorzügen und Bewertungen von Influencern und von Kunden, die unsere Produkte verwendet haben. Empfehlungen waren für uns schon immer wichtig. 

In diesem Zusammenhang versuchen wir durch den Einsatz von IGTV die Anzahl der Personen, die unsere Beiträge sehen, zu erhöhen. Instagram treibt seine neue Videoplattform voran, d. h., wenn wir ein Video auf IGTV zusammen mit einer Vorschau auf unserer Seite (im Gegensatz zu einer Veröffentlichung in unserem IG-Feed) veröffentlichen, können wir eine viel größere Anzahl von Ansichten und Interaktionen bei diesen Beiträgen feststellen. 

Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, zur Kundenansprache andere Kommunikationswege zu nutzen (und nicht zu vernachlässigen) und gleichzeitig die sozialen Medien zu nutzen. Die sozialen Medien funktionieren als kostenloses Tool erstaunlich gut, um Kunden zu gewinnen und zu binden. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, mit Ihrer Zielgruppe in Verbindung zu treten. Ich selber komme aus dem Bereich PR und Kommunikation und sorge deshalb immer dafür, dass wir neben den sozialen Medien für R&R auch traditionelle Methoden zur Kundenbindung einsetzen, wie beispielsweise kontinuierliche Medienarbeit, Pop-up-Events und monatliche Mailings. 

WhatsApp ist zum Beispiel auch ein Werkzeug, über das wir mit Interessenten in den afrikanischen Märkten in Kontakt treten. Wir stellen fest, dass unsere Kunden, insbesondere in Westafrika, gerne über WhatsApp bestellen. Durch diese Art der Bestellannahme kommen wir in den Besitz ihrer Telefonnummern. So können wir die kostenlosen WhatsApp-Tools wie WhatsApp-Status (ähnlich wie Instagram Stories) und WhatsApp-Broadcasts zu unserem Vorteil nutzen und unsere Kunden direkt ansprechen.

DAVID SIMNICK CEO und Mitbegründer von Soapbox

IG ändert ständig seinen Algorithmus und optimiert seine Plattform. Ich glaube, dass sich jede einzelne Algorithmusänderung bei allen bemerkbar macht (sowohl bei Marken als auch bei anderen Nutzern). IG ist eine Plattform, auf der wir sehr präsent sind. Wir müssen unsere Aktivitäten bei anstehenden Änderungen einfach nur entsprechend anpassen.

Diese Änderungen sind aber nichts, was uns veranlassen würde, die Plattform zu verlassen. Das einzige, was sich ändert, sind die Aktivitäten hinsichtlich unserer Posts, d. h., die Häufigkeit unserer Posts, wann wir posten und wie oft wir die Art der Medien wechseln (z.B. Produktwerbung, UGC, Bilder von Models, allg. Lifestyle-Bilder, etc.).