Zalando Beauty: Ein unterschätzter Indie Beauty-Retailer?

Als einer der größten Online-Versandhändler für Mode und Accessoires stieg das deutsche Unternehmen 2018 in das Beautygeschäft ein: Mit Zalando Beauty kopierte der E-tailer sein Erfolgskonzept für den Kosmetikbereich mit Make-up- und Pflegeprodukten, Düften, Zahnpflege und mehr. Neben bekannten Marken wie MAC und L’Oréal findet man im Shop auch eine Auswahl an Indie Labels. Doch funktioniert diese Strategie auch für unabhängige Beauty Brands? Wir haben nachgefragt.

 

Nicolas Faivre ist ein sehr passionierter Mann – passioniert von seinen Produkten und seinem Label. Dieses vertreibt verschiedene Beauty-Tools, die sogenannten Cellu-cup und Glowcup. Diese sind aus Silikon und sollen die Haut massieren, die Blutzirkulation anregen und so die Haut durch Stimulation glätten. Im Fall vom Cellu-cup am Körper zur Bekämpfung von Zellulite, die zwei verschiedenen Glowcups sind für das Gesicht, etwa für die Augenpartie, gedacht. Massagehelfer wie den Cellu-cup für Beine, Bauch und Po kennt man bereits von anderen Herstellern, doch gerade die Tools für Gesicht, Hals und Dekolleté sind neu. Für letztere bietet die Brand auch zwei passende Bio-Cremes an. Beim Cellu-cup runden dazugehörige Massageöle und Duschgels das Angebot ab. Das französische Unternehmen verschickt seine Produkte weltweit und vor allem via Onlinehandel. Doch gerade die Zusammenarbeit mit Zalando Beauty hat das Label aus dem überschaubaren Besançon in Ostfrankreich steil nach oben katapultiert.

 

Glowcup: Diese Massagehelfer sind für das Gesicht, etwa für die Augenpartie, den Hals und das Dekolleté gedacht und in zwei Größen erhältlich. Credit: Glowcup

 

Wird Zalando zum nächsten Big-Player der Beauty?

„Wir haben die Einkäufer von Zalando Beauty im März 2019 auf der Indie Beauty Expo in Berlin zum ersten Mal getroffen. Danach waren sie sehr eifrig, mit uns zu arbeiten und waren auch während des Austauschs super reaktiv. Im August 2019 sind unsere beiden Produkte Cellu-cup und Glowcup beim Onlinehändler gelauncht“, erzählt Brandgründer Nicolas Faivre. Zalando gilt als einer der New Player auf dem deutschen Beautymarkt und einer der Gründe, warum traditionelle Retailer hierzulande erfolgreichen E-Commerce-Unternehmen langsam aber sicher unterliegen. Digitale Marktplätze für Beauty sind gefragt. Besonders Kaufhäuser stecken in der Krise, können nur schwer KonsumentInnen erreichen und Kundenbindung im Beauty-Segment schaffen. Einige reagieren auf den Wandel, wie zum Beispiel das KaDeWe, das aktuell die Fläche für Kosmetika umbaut. Andere, wie Karstadt und Galeria Kaufhof geraten ins Schwanken – trotz der Einführung eines Shop-in-Shop-Konzepts mit Sephora 2017.

Der Versandhändler setzt auf einen Angebotsmix, bietet neben sogenannten „Premium“-Brands die etwas hochpreisiger angesiedelt sind (Beispiel: Urban Apothecary), auch Produkte an, die es in der Drogerie gibt, etwa Maybelline New York oder Manhattan Cosmetics. Es gibt Parfümerie-Klassiker wie OPI, Dermalogica, Glamglow, Origins, Rituals und NYX. Viel interessanter jedoch sind die Indie Brands, die sich im Onlineshop befinden. Da wären etwa das Berliner Label Fine, die französische Brand für natürliche Sonnenschutzmittel Mimitika, Erfolgsbrand Rodial, gefeierte Indie-Labels wie Pixi, Pai Skincare und RMS Beauty sowie die Berliner Männerpflege-Brand Sober. Es ist also – wie soll man es anders sagen – „für jeden etwas dabei“. Doch geht diese Strategie auf? Laut Nicolas Faivre ganz klar: Ja. „Seit der Einführung bei Zalando Beauty haben sich die Verkäufe des Cellu-cup verdoppelt, obwohl es sich um ein saisonales Produkt handelt. Mit dem Glowcup sind wir in Deutschland neu gelauncht und haben so unsere Verkäufe um 100 Prozent gesteigert.“

 

Eine weitere Markteintrittsmöglichkeit für Indie Brands

Für die französische Brand war die Zusammenarbeit mit Zalando Beauty bisher ein voller Erfolg, und das nicht nur in konkreten Verkaufszahlen gesprochen. „Sie haben uns indirekt in Punkto Brand Awareness und SEO geholfen, da die Seite nun mal einen hohen Traffic generiert. Zudem haben sie mit zwei Influencern für ein Video gearbeitet, in dem die Beautyroutine mit dem Glowcup demonstriert wird.“ Das ganze Sortiment übernahm Zalando jedoch nicht: die biologischen Gesichtspflegeprodukte haben es nicht ins Sortiment geschafft. Der Grund? Die Haltbarkeitsdauer. Auch die Aufnahmekriterien sind überschaubar: keine Exklusivverträge mit Händlern in den Ländern, in denen der E-Tailer agiert und zukünftig expandieren will. Der Franzose ist mehr als zufrieden: „Mit Zalando zu arbeiten gibt uns die Möglichkeit in die europäischen Märkte einzudringen, in denen wir unsere Produkte vorher nicht verkauft haben – obwohl wir internationalen Versand anbieten. Denn dieser ist bei Zalando im Gegensatz zu uns kostenfrei.“

 

Cellu-Cup
Cellu-Cup: Der Massagehelfer für Beine, Bauch und Po hilft bei Cellulite. Die passenden Pflegeprodukte wie Massageöle und Duschgels runden das Abgebot ab. Credit: Cellu-Cup

 

Insbesondere in Bezug auf den deutschen Markt hat sich die Kooperation mit Zalando Beauty für die Brand positiv entwickelt. Und Nicolas Faivre bestätigt indirekt die bereits erwähnte Problematik der Kaufhäuser: „Wir haben den Cellu-cup auch zuvor schon bei Sephora in der Galeria Kaufhof und online verkauft. Doch mit Zalando hatten wir eine weitere Markteintrittsmöglichkeit und zunehmende Sichtbarkeit für beide Produkte in Deutschland und angrenzenden Ländern“, so Nicolas Faivre. Es ist auch in Deutschland, genauer gesagt in Berlin, wo der Versandhändler zusätzlich ein Offline-Konzept eröffnete: Mit der Zalando Beauty Station ging das Unternehmen in den stationären Handel und rollte sozusagen die Beauty-Sphäre von hinten auf. Erst digital, dann real. Laut Etailment.de ein Mittel zum Zweck, um auch die ganz großen Prestigemarken ins Sortiment zu holen. Doch für Indie Brands scheint die Rechnung aufzugehen – zumindest für eine.

 

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